Wir sind es wert

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PICT0016_CustomSchon im Vorfeld gab es Presseveröffentlichungen, daß es wohl nicht zu gravierenden Einschränkungen kommen werde. Der Geschäftsführer des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu erklärte lakonisch aber auch etwas widersprüchlich: "Wir arbeiten ohnehin ständig mit einer Art Notbesetzung." Übereinstimmend mit Gewerkschaftssekretärin Jutta Aumüller stellte er fest, daß es mittlerweile nicht zuletzt wegen der Bezahlung schwierig werde, entsprechendes Fachpersonal zu finden.

Der Vorsitzende des Bürgermeister-Kreisverbandes Oberallgäu, Anton Klotz aus Haldenwang, beurteilt den Warnstreik allerdings als Provokation. In Kempten und im Oberallgäu wurden heute bestreikt: die Stadtverwaltungen Kempten, Sonthofen und Immenstadt, die Gemeindeverwaltungen in Oberstdorf und zahlreichen anderen Gemeinden, Bundeswehr, Abwasserverband Kempten, Klinikverbund Kempten/Oberallgäu, Bezirkskrankenhaus Kempten, Rotkreuz-Betreunungsgesellschaft und die Lebenshilfe.

200 Teilnehmer waren für die Demonstration angemeldet, etwa die doppelte Anzahl bewegte sich unter Trommelwirbel mit verdi-Fahnen und einigen Transparenten vom ver.di-Haus durch Kemptens Innenstadt vors Rathaus. ver.di-Bezirksgeschäftsführer Manfred Heeb begrüßte als Redner den BR-Vorsitzenden des Klinikums Kempten, den ebenfalls ver.di-Bezirksgeschäftsführer Werner Röll, den stv. DGB-Vorsitzenden der Region Iller-Allgä, Ludwig Debong und Brigitte Zach, Landesfachbereichsleiterin Gemeinden von ver.di Bayern. Auch einen Gruß des ÖGB-Vorsitzenden aus dem benachbarten Vorarlberg übermittelte er.
Abordnungen von Peißenberg und Weilheim, Kaufbeuren, Memmingen bis Lindau waren bei der Kundgebung vertreten.

In den Reden wurde zur Begründung der Lohnforderung von 6,5 % oder mindestens 200 EUR  natürlich die laufende Geldentwertung, der Reallohnverlust der letzten Jahre und die Steigerung der Lebenshaltungskosten angeführt. Auch die Lohn- und Prämienentwicklung z.B. im Bereich der Autoindustrie wurde als Maßstab benannt. Allerdings sei dort der gewerkschaftliche Organisationsgrad erheblich höher und da habe man im öffentlichen Dienst noch einiges vor sich. "Wir wollen leistungsgerechte Bezahlung, keinen Ehrensold" sagte einer der Redner in Anspielung auf Wullf's Alimentierung. Auch den Rat aus den Reihen der FDP, sich doch mit den griechischen Beschäftigten zu vergleichen, wies ein Referent empört zurück: man schaue auf die Steuerentlastung der Großverdiener, die Unsummen zur Stützung der Banken und die Bezüge der Politiker und Abgeordneten, die sich ihre Erhöhungen selbst genehmigten.

Anläßlich des gleichtägigen Internationalen Frauentags wurde u.a. auf den im öffentlichen Dienst vorhandenen Lohnsrückstand der Frauen von über 7% hingewiesen, zudem dort die Frauen den Löwenanteil der Beschäftigten ausmachen. Nach dem Hinweis von Jutta Aumüller, daß gleich nebenan ein Blumenladen zur Verfügung stehe, damit die männlichen Kundgebungsteilnehmer ihren Frauen etwas mit nach Hause bringen könnten, gab es zunächst ein paar Probleme, die Kundgebung vorschriftsgemäß zu beenden: die verantwortlichen Männer waren zum Blumenladen geeilt und waren erst mal nicht mehr aufzufinden.

Text: Kurt Wirth

Bild (von der Streikaktion in München): Walter Listl        



 
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