„Ohne die Rote Armee wäre ich nicht hier, die Rote Armee hat mir das Leben gerettet.“

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(Ernst Grube auf einem DKP-Gruppenabend)

Kopie_von_neu-2Das Motto „Auch wer jung bleibt, wird älter“ – von Ernst Grubes 75. Geburtstag – nahm Friedbert Mühldor­fer in seiner Einleitungsre­de zum nun 80. Geburts­tag von Ernst Grube am 13. Dezember 2012 und zum 65. Geburtstag der VVN Bayern wieder auf. Besonders begrüßte er die drei KZ-Überlebenden Hans Taschner – inzwi­schen über 100, Martin Löwenberg – Träger der Medaille „München leuchtet“ und als Antifaschist auch im hohen Alter unermüdlich aktiv, sowie Ernst Grube, den „Jüngsten“ in der Runde. Eine „Neue Welt des Friedens und der Freiheit“ wollten die Verfolgten nach '45, doch die Stimme der Verfolgten war immer auch ein „Stachel im Fleisch der aktuellen Politik“, betonte Mühldor­fer.

Die VVN-BdA hatte am Sonntag, den 16. Dezember zu diesem doppelten Geburtstag in die Seidlvilla in München eingeladen. Mit über 130 Gästen war der Zenzl-Mühsam-Saal hoffnungslos überfüllt, viele drängten sich an den Türen. Michaela Dietl – vielen bekannt als Begründerin und Leiterin der „Quet­schenweiber“ sorgte mit jiddischen Liedern, Musik von Mikis Theodorakis sowie Liedern aus Griechen­land, Frankreich und Italien für einen mitreißenden kulturellen Rahmen.

Der Schauspieler Harry Täschner las historische Texte aus 65 Jahren VVN, von der Grün­dung der VVN 1947 durch ehemalige Naziverfolgte in der Schwabinger "Schauburg“ – dem heutigen Theater der Jugend – bis zur heutigen Erwähnung der VVN-BdA im Verfas­sungsschutzbericht in Bayern.
Kopie_von_neu-4Dabei zitierte er u.a. aus dem fünften Flugblatt der Weißen Rose, wo es heißt:                                                
„Der imperialistische Machtgedanke muß, von welcher Seite er auch kommen möge, für alle Zeit unschädlich gemacht werden. Ein einseitiger preußischer Militarismus darf nie mehr zur Macht gelangen. Nur in großzügiger Zusammenarbeit der europäischen Völker kann der Boden geschaffen werden, auf welchem ein neuer Aufbau möglich sein wird. Jede zentralistische Gewalt, wie sie der preußische Staat in Deutschland und Europa auszuüben versucht hat, muß im Keime erstickt werden. Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen. Die Arbeiterschaft muß durch einen vernünftigen So­zialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden. Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muß in Europa verschwinden. Jedes Volk, jeder einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt!“
                                                                         
Gleichzeitig machte Täschner klar, mit welchen Schwierigkeiten die VVN in der Zeit des Kalten Krieges, aber auch später in den eigenen Reihen zu kämpfen hat(te), wenn ihre Funktion als parteienübergreifende Organisation nicht genügend berücksichtigt wurde.

Trotz aller Diffamierungen – auch der persönlichen Angriffe auf Ernst Grube im VS-Bericht 2010 – ist die VVN-BdA heute ein fester Bestandteil der politisch-antifaschistischen Kultur, dies machte auch die Platzbenennung nach der Antifaschistin und Kommunistin Resi Hu­ber, die genau an Ernsts Geburtstag (und Resis 92.) im Münchner Stadtteil Sendling statt­gefunden hatte, deutlich.

Unser Genosse Ernst Grube ist ein fester Bestandteil dieser antifaschistischen und kom­munistischen Tradition. Leo Mayer, stellvertretender Parteivorsitzender und Sprecher der DKP München ehrte Ernst im Namen der DKP und zeigte Stationen seines Lebensweges auf:
"Ernst ist gerade sieben Wochen alt, als die Nazis am 30. Jan. 33 an die Macht kom­men. Von nun an wird alles verfolgt, was links ist oder kommunistisch. Die Familie Grube ist beides: Die Eltern sind Kommunisten, die Mutter Jüdin. Jüdisches Kinderlager in Schwabing, Judenlager Milbertshofen, Übergangslager Berg-am-Laim – und dann Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt im Februar 1945. Schließlich die Befrei­ung am 7. Mai durch die Rote Armee. Du fandest bei den Kommunisten Verständnis, - auch, weil sie ähnliche Leidenswege wie Du erlebt und die Nazi-Gräuel überlebt hatten.“
Ernst bleibt seiner Überzeugung nach '45 treu. Er wird FDJ-Mitglied, engagiert sich gegen die Remilitarisierung, steht 1953 solidarisch hinter den streikenden Metallarbeitern, kämpft gegen die Erweiterung der Ladenschlusszeiten und wird dabei verprügelt, verhaftet und mehrmals verurteilt. Nach dem KPD-Verbot vom 17. August 1956 arbeitet er in der Illegali­tät weiter und erhält 1 Jahr Gefängnis für eine Flugblattaktion, die der Münchner Merkur mit „Bombenleger am Bahnhof. Flugblattaktion der Untergrund-Kommunisten.“ titelte. Auch die Isolationshaft kann Ernst nicht brechen.

Ernst arbeitet als Maler, holt das Abitur nach und wird – trotz „Extremis­tenerlass“ – Berufs­schullehrer in München. Seit Anfang der 90 er Jahre machte er die Arbeit als Zeitzeuge zu seinem Schwerpunkt. Unzählige Schulklassen hat er seither im KZ Dachau geführt oder in Diskussionen sensibel gemacht für die Gefahr eines wiederaufkeimenden Faschismus. Auch mit 80 Jahren ist Ernst Grube politisch aktiv, vor allem gegen Neo­nazis und Ge­schichtsrevisionisten. Er engagiert sich in der Lagergemein­schaft Dachau und in der Stif­tung bayerischer Gedenkstätten ebenso wie für das NS-Dokumentationszentrum in München.

Annemarie Lethin – relativ neu im Vorstand der VVN-BdA – lobte v.a. Ernsts sehr einfühl­same Art, Tom Rausch, Vorsitzender des Kreisjugendringes München, hob das Engage­ment mit Jugendlichen besonders hervor.
Kopie_von_neu-5Mit seiner sehr persönlichen Anmerkung sorgte Leo Mayer für viel Zustimmung:                                 
„Als ich vor 40 Jahren als junger Kerl Mitglied der DKP wurde; da stand dann Ernst nicht mehr nur unter der Beobachtung durch den Verfassungsschutz, sondern auch unter heim­licher Beobachtung durch mich. Ich wusste um seine Lebensgeschichte; ich beobachtete wie er menschlich und politisch auftrat und wirkte; ich schaute, wie er argumentierte, wie er überzeugte. Und er wurde zu meinem persönlichen Vorbild. So ein Kommunist wollte ich auch werden.
Jung bin ich nicht mehr. Aber Du hast den Altersvorsprung ja auch gehalten. Und trotzdem bist Du für mich sowohl politisch und menschlich auch heute noch ein Vorbild.
Ein nachstrebenswertes Vorbild auch in der Hinsicht, dass ich mit 80 Jahren noch so aktiv, so aufgeschlossen, so neugierig auf das Neue sein will, wie Du es bist.“


Die angeregten Gespräche rund um das anschließende Buffet, die große Bandbreite an Anti­faschisten, aber auch die anwesenden Familienmitglieder (die laut Ernst oft sehr klurz kamen in seinem bewegten Leben) zeigten, dass Kom­munisten in Bündnissen und ihn ihrem Umfeld hervorragende Arbeit leisten können, wenn sie – wie Ernst Grube – auch andere Meinungen z.B. von religiös geprägten Menschen ernst nehmen.

Text: Christiane Schneider
Fotos Feier: Hermann Offner
Foto Ernst Grube in Hebertshausen http://bayern.vvn-bda.de

 
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