DKP Allgäu - Aktuelles

60 Jahre Iller-Unglück: 60 Jahre Tod in der Bundeswehr

60 Jahre Iller-Unglück: 60 Jahre Tod in der Bundeswehr

4.5.2017 - Am 3. Juni 1957 befand sich ein Zug des Luftlandejägerbataillons 19 in Kempten auf dem Rückweg von einer Infanteriegefechtsausbildung auf dem Standortübungsplatz Riederau zur Prinz-Franz-Kaserne (von den Nazis in den 30-er-Jahren gebaut) in Kempten. Der Weg führte über die Illerbrücke bei Hirschdorf (damals Landkreis Kempten, heute Stadt Kempten). Der kommandierende Zugführer, Stabsoberjäger Julitz (als Ausbilder der Bereitschaftspolizei zur Bundeswehr im Aufbau gewechselt) befahl jedoch, nicht den Weg über die Brücke zu nehmen, sondern kurz vor der Brücke durch die Iller. Es war schönes Wetter, die Iller hatte klares Wasser,8° kalt, war dort bei mittlerem Pegel maximal 1,30 m tief, hatte aber als Gebirgsfluß eine starke Strömungsgeschwindigkeit von 2,00 m pro Sekunde. Die 28 Männer begannen in Kette und sich an den Händen haltend in die Iller zu waten. Das wirkte wie eine Art Stauwehr und die Kette brach, die ersten strauchelten. Julitz und der eigentliche Zugführer, Stabsoberjäger Schäffler (der hatte Ausbildererfahrung aus der alten Wehrmacht, war aber an dem Tag fußkrank geschrieben), der das Geschehen von der Brücke aus beobachtete, brüllten noch „Zurück!" Doch da waren 19 Rekruten schon von der Iller mitgerissen, mit Gewehr, Sturmgepäck, Stahlhelm etc. Die wenigsten von ihnen konnten schwimmen. Zwei von ihnen konnten sich auf das Fundament eines Pfeilers der Illerbrücke retten.

Die verbleibenden Soldaten unternahmen verzweifelte, aber vergebliche Rettungsversuche. Im weiteren Verlauf zögerten die örtlichen Bundeswehrverantwortlichen auch, professionelle Hilfe von Wasserwacht und Feuerwehr zu rufen. Man wollte das „unter sich" ausmachen. Doch das Ausmaß ließ sich nicht weiter verheimlichen. Noch am selben Abend schwebte Verteidigungsminister Strauß mit dem Hubschrauber ein, seinen Polterabend in Rott am Inn abbrechend. Bereits drei Tage später fand die offizielle Trauerfeier der Bundeswehr in der Kemptener Prinz-Franz-Kaserne statt, obwohl erst einer der Vermissten gefunden war und in einem Sarg aufgebahrt wurde. Für die anderen wurde je ein Kranz aufgestellt. Man wollte die Sache möglichst schnell den Deckel drauf haben.

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Reichsbürgerhochburg Allgäu

22.4.2017 - Seit einiger Zeit häufen sich die Nachrichten im Allgäu über Aktivitäten der Reichsbürger und das Vorgehen der Behörden dagegen.

Der politisch bedeutsamste Fall ist der der Bürgermeisterin Monika Zeller von Bolsterlang im Allgäu. Diese hat nach Berichten der örtlichen Presse bereits im Jahre 2015 einen sogenannten „Gelben Schein" (Staatsbürgerschaftsnachweis) beantragt, den die Reichsbürger als Passersatz benutzen. Als Antrag benutzte sie ein aus dem Internet heruntergeladenes Formular, in dem verschiedene Angaben schon vorgegeben waren. Als Geburtsort gab sie darin an: „Königreich Bayern, Deutschland als Ganzes". Außer ihr haben auch vier weitere Gemeinderäte diesen Staatsbürgerschaftsnachweis beantragt. Weil der, nach einem Vortrag eines profilierten Reichsbürgervertreters vor etwa einem Jahr in Bolsterlang, alleinig Grundeigentumsrechte gewährleisten könne.Und das ist ja in einem Allgäuer Dorf die grundlegende Frage. Den Saal für diesen Vortrag bestellte die Bürgernmeisterin.

Inzwischen gab es eine Demo von 70 Bürgern in Bolsterlang gegen diese seltsamen Vorgänge. Daraufhin traten vier Gemeinderäte zurück. Das Landratsamt Oberallgäu übergab den Fall an die Landesanwaltschaft Bayern, die Disziplinarbehörde für die Beamten und die ehrenamtlichen Bürgermeister. Es könnte mit einer Amtsenthebung der Bürgermeisterin enden.

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Willy Wirthgen – le fusillé oublié du fort de Bondues

Willy Wirthgen – le fusillé oublié du fort de Bondues

29.3.2017 - « Willy Wirthgen – der vergessene Hingerichtete vom Fort de Bondues ». Unter diesem Titel berichtete kürzlich „Liberté hebdo", die wöchentlich erscheinende Regionalzeitung der PCF (Parti Communiste Francais) für Nord/Pas de Calais (also den größten Teil Nordfrankreichs) über den Allgäuer Antifaschisten, Gewerkschafter und Kommunisten Willy Wirthgen (siehe wikipedia-Artikel und diverse Artikel auf dieser Seite) sowohl auf der Titelseite, als auch auf der Seite 3. Willy Wirthgen wurde bekanntlich im April 1944 im Fort de Bondues bei Lille in der Folge eines Todesurteils des Feldgerichts der 16. Flak-Division der faschistischen Wehrmacht wegen Wehrkraftzersetzung erschossen. Im Fort de Bondues wurden auch 68 französische Résistanceangehörige erschossen, denen heute dort ein „Musée de la Résistance" (Museum des Widerstands) gewidmet ist.

Der Artikel in der französischen Zeitung bringt mit dem „vergessenen Hingerichteten" zum einen die spät einsetzende Erforschung der Biografie Wirthgens (beginnend vor der Stolpersteinverlegung im Jahre 2010) zum Ausdruck, als auch die Vervollständigung der „Liste der 68" in dem Museum. Hierzu muß man natürlich beachten, dass die Résistance aus ganz verschiedenen politischen Kräften zusammengesetzt war. Erst auf Initiative der PCF verständigten sich diese auf einen „Nationalrat der Résistance". Insofern ist es verständlich, dass das Museum im Fort de Bondues die gaullistischen Kräfte in der Résistance eher in den Vordergrund rückt, als die kommunistischen. Zudem war die Region auch während der deutschen Besatzung traditionell sehr anglophil (englandfreundlich). Man war sehr dankbar für den Einsatz der britischen Luftstreitkräfte und Fallschirmeinheiten, ebenso für den der britischen Geheimdienste und der von England aus operierenden gaullistischen Kräfte. Da ist die Sympathie für einen Angehörigen der faschistischen Luftabwehr, der Willy Wirthgen nun einmal war, zunächst nicht selbstverständlich.

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Stolpersteine in Memmingen

5.11.2016 - Am 2.11.16 meldete die lokale Presse in Memmingen die Verlegung eines Stolpersteins für Franziska Endres im Memminger Stadtteil Amendingen. Das 10-jährige Mädchen wurde 1943 auf Grund seiner Behinderung im Rahmen der berühmt-berüchtigten Aktion T4, beschönigt als „Euthanasie", von den Faschisten ermordet.

Das ist wohl nun der 31.Stolperstein in Memmingen, mit deren Verlegung am 29. Juni 2014 begonnen wurde (siehe Liste der Stolpersteine in Memmingen). Hierzu muss man wissen, dass Memmingen im Vergleich zu anderen Orten im Allgäu traditionell einen sehr viel höheren Anteil an jüdischer Bevölkerung hatte: im Jahre 1895 nämlich 231 Personen, im Juni 1933 noch 161 Personen. So wurde auch 1909 die Synagoge am Schweizerberg eingeweiht (die jüdische Gemeinde z.B. in Kempten war eine Filiale von Memmingen und hatte nur einen gemieteten Betsaal). Diese wurde nach ihrer Zerstörung in der Reichspogromnacht vollends abgetragen. An ihrer Stelle wurde 1988 ein Mahnmal errichtet, auf welchem u.a. die Namen von 106 Personen eingemeißelt sind, die während des Faschismus verfolgt, verschleppt und ermordet wurden.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Stolpersteininitiative in Memmingen von der Erinnerung an die jüdischen Mitbürger geprägt ist und die meisten Stolpersteine an diese erinnern. Dennoch sind in einem Hinweis auf die Stolpersteine in dem Internetkompendium über die Juden in bayrisch Schwaben (siehe Alemannia Judaica) einige der Stolpersteinbedachten mit dem Vermerk „nichtjüdisch" versehen: Josef Diefenthaler, Fritz und Karolina Bürk, Martin Mayrock.

Aber auch bei der Verlegung deren Stolpersteine wurde ein hebräisches Gebet verlesen.
Möge es ihnen nützen.

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